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Wenn Parfum zum Konzept wird

Manche Parfums sind dazu gemacht, getragen zu werden. Andere sind dazu gemacht, gelesen zu werden. In den vergangenen drei Jahrzehnten hat eine kleine Gruppe von Häusern den Duft weniger als verführerisches Accessoire denn als konzeptuelles Objekt behandelt — eine gemeißelte Idee, manchmal eine Provokation, bei der der Name auf dem Flakon als erster Satz einer Geschichte fungiert, die die Nase eingeladen wird zu vollenden.

In der konzeptuellen Parfümerie ist der Titel keine Verpackung. Er ist ein Schlüssel. Manchmal kündigt er die Komposition mit entwaffnender Direktheit an — ein Kaffeeakkord namens Coffee, eine Pilznote namens Magic Mushrooms. Manchmal tut er das Gegenteil und inszeniert eine bewusste Spannung zwischen Wort und Duft, die Ironie, Unbehagen oder Überraschung erzeugt. In jedem Fall ist die Geste dieselbe: Das Parfum wird als kulturelles Statement positioniert, nicht als schmeichelhafte Signatur.

Dieses Terrain wurde maßgeblich von Comme des Garçons Ende der 1990er Jahre erschlossen. Unter Rei Kawakubo — deren Arbeit in der Mode einer ganzen Generation bereits gezeigt hatte, dass Schönheit in Asymmetrie, Dekonstruktion und dem Unfertigen wohnen kann — und Christian Astuguevieille, dem langjährigen Kreativdirektor des Hauses, wandte die Marke auf den Duft dieselbe Logik an wie auf die Kleidung: die Konventionen auseinandernehmen und sehen, was überlebt. Das Ergebnis war die heute kanonische Idee des Anti-Parfums. Mit Parfümeuren wie Mark Buxton führte Comme des Garçons Noten ein, die die klassische Parfümerie für unzulässig erklärt hatte — Tinte, Teer, Kopiertoner, heißes Metall, Asphalt — und machte sie nicht nur tragbar, sondern begehrenswert.

Astuguevieille, der Anfang dieses Jahres verstorben ist, ist einer der stillen Architekten der konzeptuellen Parfümerie. Heute inspiriert dieser Ansatz eine neue Generation von Kreativen, die jeweils ihre einzigartige Stimme einbringen — darunter Nasomatto, Bohoboco, Fugazzi und Filippo Sorcinelli, die wir im Folgenden vorstellen.

Comme des Garçons — 2

Das originale silberne Manifest

Der Duft, der die Idee des Anti-Parfums kodifizierte. Ende der 1990er Jahre unter Rei Kawakubo und Christian Astuguevieille lanciert, funktioniert Comme des Garçons 2 — die sogenannte „silberne" Edition — vollständig auf Basis von Spannung: Natürliches gegen Synthetisches, Reinheit gegen Unvollkommenheit, Körper gegen Abstraktion. Mit dem Parfümeur Mark Buxton wurde er zu einem der ersten weit verbreiteten Düfte, der „Nicht-Parfümerie"-Facetten — Tinte, Metall, eine kalt-mineralische Qualität — in den Flakon aufnahm. Schwer zu kategorisieren, sofort erkennbar, bleibt er das Paradebeispiel für Parfum als kulturelles Statement statt als verführerisches Accessoire.

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Sadonaso von Nasomatto

Genuss ohne Verklärung.

Nasomatto hat seinen Ruf auf minimalistischen Flacons, kryptischen Namen und maximalen Kompositionen aufgebaut — Düfte, die als konzentrierte Ideen und nicht als kommerzielle Signaturen konzipiert sind. Sadonaso treibt diese Logik in das Territorium ungefilteter Sinnlichkeit. Ein Titel, der Sadismus und den Namen des Hauses vereint, kündigt die Absicht an: keine Dekoration, keine Entschuldigung. Im Inneren öffnet sich Kaffee auf ein Herz aus Moschus, Sandelholz und Tabak, bevor er sich in Amber, Tonka und offen animalischen Noten niederlässt. Das Ergebnis ist orientalisch, moschusartig, animalisch — eine Studie der Wollust, behandelt als Thema, nicht als Verführungstaktik.

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Magic Mushrooms by Bohoboco

Ein Trip, als Duft abgefüllt

Bohoboco nähert sich dem Parfum so, wie ein Designer sich einem Objekt nähert: als in sich geschlossenes Konzept, ohne Umweg benannt. Magic Mushrooms nimmt seinen Titel wörtlich und verwandelt veränderte Wahrnehmung in eine olfaktorische Komposition. Grapefruit, Kardamom und Zypressenharziöffnen hell und desorientierend, bevor ein Herz aus schwarzer Johannisbeere, Hanf und Davana den zentralen Pilzakkord einführt — erdig, leicht halluzinatorisch, im besten Sinne bewusst unbequem. Patchouli, Vetiver und Moos erden den Trip. Eine hesperidisch-holzig-würzige Struktur, die hinterfragt, wonach eine „tragbare" Note eigentlich riechen soll.

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Sugardaddy von Fugazzi

Süße mit scharfer Zunge.

Fugazzi arbeitet an der Reibung zwischen Name und Inhalt — Titel, die provozieren, Kompositionen, die verführen. Sugardaddy spielt genau dieses Spiel: ein aufgeladener, wissentlich transgessiver Name auf einer gourmanden Duftkomposition, die „Generationen gewidmet ist, die frei sind zu sein und zu denken." Bergamotte und Mandarine öffnen frisch und fruchtig, bevor ein Herz aus Karamell, schwarzer Johannisbeere und Jasmin die gourmande Absicht enthüllt. Ambra, Kaschmirholz und Nelke schließen auf etwas Wärmeres, fast Ambrafarbenes. Das Konzept liegt in der Lücke: ein süßer, üppiger Duft, getragen unter einem Namen, der sich weigert, höflich zu sein.

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Reliqvia von Filippo Sorcinelli

Der Duft dessen, was bleibt

Filippo Sorcinelli — Organist, Fotograf, Designer liturgischer Gewänder — komponiert Parfums als Erweiterungen seiner sakralen Bildwelt. Reliqvia, vom lateinischen Begriff für „was bleibt", ist als olfaktorische Pilgerreise zur Kirche La Croix in Senigallia aufgebaut, Hüterin der Reliquien der Passion. Aldehyde, schwarze Johannisbeere und Bitterorange evozieren die Renaissancefassade; Elemi, Lentiskharz und Muskatnuss die Schwelle und die Holzwände; Amyris, Kaschmirholz und Nelke den Weihrauch, der zur Kassettendecke aufsteigt. Eine holzig-weihrauchige Komposition, die Duft als Architektur, Erinnerung und Hingabe behandelt — Parfum als Reliquie selbst.

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